Das Staatsexamen

Die letzte Nuss zum Knacken


 

 

100 Tage zwischen Matrikelnummer und Arztausweis.

     

Das ehemalige "Hammerexamen", der 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bzw. seit 2014 der 2. und 3. Abschnitt, bildet den Abschluss des über sechsjährigen Medizinstudiums.

     

Nach der erfolgreichen Bewältigung von insgesamt fünf Prüfungstagen darf man sich also Arzt nennen - erstmal sehr befremdlich, war man doch über gut sechs Jahre mit seinem Dasein als Medizinstudent sehr vertraut.

     

Zuvor stehen jedoch rund 100 Tage Lernaufwand für die schriftliche Multiple-Choice-Prüfung vor dem PJ bevor, die in Regel die meisten an ihre mentalen und teils auch physischen Kraftreserven bringen.

     

Die 320 Fragen im Multiple Choice Format müssen an drei aufeinanderfolgenden Tagen kollektiv in Stadt- und Turnhallen bewältigt werden. Über die Hälfte davon in Form von Fallbeispielen, zu denen üblicherweise 10-15 Fragen pro Fall gestellt werden.

     

Dabei müssen Fragen aus dem Bereich der gesamten Medizin teils auf sehr hohem Detailniveau beantwortet werden - und wohl nie mehr im Leben wird man an einem Punkt sein, über ein in der Breite so fundiertes Wissen zu verfügen und Zusammenhänge zwischen sämtlichen Fachrichtungen der Medizin herstellen zu können.

Die Vorbereitung auf die schriftliche Examensprüfung - seit dem Jahr 2014 VOR dem Praktischen Jahr abzuleisten - erfordert eine strukturierte und disziplinierte Herangehensweise und eine ausgewogene Mischung aus dem Bearbeiten der Lerninhalte und dem "Kreuzen" von Altexamina - in der Spitze werden in der Vorbereitungszeit bis zu 15.000 Altfragen gekreuzt.

     

Eine beachtliche Leistung, die jedoch bei der großen Mehrheit zu einem erfolgreichen Bestehen der Prüfung führt.

Nach wie vor nach dem Praktischen Jahr steht der mündlich-praktische Teil - neu 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung genannt, auf dem Plan.

     

In den Fächern Innere MedizinChirurgie, dem Wahlfach sowie einem Zusatzfach müssen hier an zwei oder auch drei Tagen Patienten untersucht und präsentiert, Fragen zu Krankheitsbildern und Pathologien, Kenntnisse über Therapie und Diagnostik sowie Ärztliche Gesprächsführung nachgewiesen werden.

     

Hat man auch diesen Teil erfolgreich hinter sich gebracht, heißt es nach intensiven anderthalb Jahren der Vorbereitung dann endlich :

     

"Herzlichen Glückwunsch liebe Kollegen, Sie sind jetzt Ärzte!"