Medikamente zur mentalen Leistungssteigerung

Die Büchse der Pandora?


Gemäß teils reißerischer Artikel in diversen Medien gehört es an us-amerikanischen und auch deutschen Hochschulen sowie in Kreisen der Erfolgreichen aus Medien und Wirtschaft fast zum guten Ton, Ritalin oder Modafinil zu schlucken.  

 

 „Doping“ als Begrifflichkeit in Bezug auf das Gehirn ist schwierig zu bewerten – anders als im Leistungssport gibt es keine Verbände, die Verbotsliste für bestimmte Substanzen herausgeben, mit denen unerlaubte Vorteile bei Prüfungen oder mentalen Leistungen erzielt werden können.

 

Ebenfalls gibt es keine Dopingkontrollen oder Ähnliches für Studenten, Manager oder Moderatoren.

     

Viele der im Leistungssport verbotenen Substanzen mit Wirkung auf Zentralnervensystem, sind daher weit verbreitet.

 

 


Ritalin und Co.

     

Hierzu zählen insbesondere Psychopharmaka, welche die Aufmerksamkeit und Wachheit beeinflussen. Vor allem das bei Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivität-Syndrom (ADHS) eingesetzt Methylphenidat (Handelsname Ritalin) aus der Gruppe der Amphetamine oder das zur Behandlung der Schlafkrankheit (Narkolepsie) indizierte Modafinil sind gebräuchliche Substanzen.

     

Beide vermindern das Schlafbedürfnis und Erhöhen die Vigilanz, Motivation und Konzentration über lange Zeiträume.

Bei Modafinil ist die Wirkweise bisher unklar – es senkt vor allem das Schlafbedürfnis und hält bis zu 3 Tage am Stück wach.

     

Methylphenidat wirkt über eine Erhöhung der aktivierenden Neurotransmitter Noradrenalin und Dopamin im synaptischen Spalt der Nervenzellen.

Da bei aufmerksamkeitsgestörten Personen ein Mangel vorliegen kann, führt eine medikamentöse Behandlung bei diesen Patienten folglich zu einer Normalisierung des Konzentrations- und Aufmerksamkeitsvermögens.

 

Bei Gesunden wirkt die Substanz ähnlich wie Kokain oder andere Amphetamine stark motivations- und antriebssteigernd.

     

Die Aktivierung des adrenergen Sympathikus geht zu Lasten der parasympathischen Funktionen – in der Folge sinken Appetit, Durstempfinden und Verdauungsfunktion.

 

Somit können viele Stunden am Stück ohne Ablenkung und Hungergefühl wie in einem „Tunnel“ durchgearbeitet werden. Ob dabei aber überhaupt eine normale Merkfähigkeit gegeben ist oder bessere Leistungen erzielt werden, kann nicht eindeutig beantwortet werden.

 

 


Mehr Täuschung als tatsächliche Verbesserung

 

Es entsteht dadurch vielfach das Gefühl, mehr leisten zu können und konzentrierter zu sein.

Sonst als störend und ablenkend empfundene Reize werden nicht mehr wahrgenommen und ignoriert – zu Gunsten der gerichteten Aufmerksamkeit auf eine Sache. Das gilt sowohl für Reize von außen, als    auch von innen aus den eigenen Organsystemen.

     

Studien aus den USA zeigen allerdings, dass sich zwar die Selbsteinschätzung von Prüfungskandidaten unter Ritalin bis hin zu einer Überschätzung verändert, nicht jedoch die tatsächliche Prüfungsleistung.

     

Diese ist unter Umständen sogar schlechter unter dem Einfluss der Stimulantien, als ohne bzw. unter Placebo!

Zwar ist es anhand des bisherigen Wissens nachvollziehbar, dass Substanzen der Amphetaminklasse die Aufmerksamkeit und Konzentration verbessern.

     

Allerdings geht dies möglicherweise zu Lasten anderer Gehirnareale, die für das Abspeichern und kontrollierte Abrufen von Informationen sowie die Anwendung und    Umsetzung dieser eine Rolle spielen.

     

Hier kommt es folglich zu einer verminderten Aktivierung – die gesamte Exekutivfunktion ist also nicht besser, durch die Amphetamine kommt es viel mehr zu einer Art Täuschung und Manipulation, die dem Besitzer vorgaukelt, er sei besser, als er es tatsächlich ist.

     

Gleichzeitig kommt es bei andauernder Einnahme zu nachhaltigen Veränderungen der Vernetzung und Konnektivität von Nervenzellen.

     

Dabei bleibt es nicht aus, dass es auch zu Wesensveränderungen der Anwender kommt.

Neue Persönlichkeitszüge treten hervor, alter dafür in den Hintergrund. Das Umfeld reagiert möglicherweise zunehmend irritiert, da bisher und über Jahre vertraute und bekannte Verhaltensweisen nicht mehr da sind und durch fremde, teils unangenehme ersetzt wurden.  

     


Andere Medikamente

 

Weitere Substanzen, die zur Anwendung kommen sind häufig auch Antidepressiva wie Fluoxetin, Reboxetin oder Venlafaxin, die selektiv bestimmte Neurotransmitter-Systeme beeinflussen.

 

Grade SSRI – Selektive Serotinin Wiederaufnahme Hemmer, erfreuen sich als Lifestyle-Medikamente großer Beliebtheit zur Steigerung des Wohlbefindens.

     

Dass es sich hierbei um stark wirksame Medikamente handelt, die deutlich in den Hirnstoffwechsel eingreifen, rückt dabei allzu gerne in den Hintergrund.

     

Der Hausarzt verschreibt missgelaunten Patienten allzu schnell ein bisschen was für die Stimmung  - kann ja nicht angehen, dass anhaltend die Stimmung niedergeschlagen ist. Natürlich haben diese Medikamente ihre absolute Einsatzberechtigung, aber erst nach sorgfältiger Prüfung und eingehender Analyse der Lebensumstände.

     

Gespräche und Ausdauersport haben sich als ähnlich, wenn nicht gar effektiver erwiesen, nachhaltig Stimmung und Launenhaftigkeit zu verbessern. Hier sollte zunächst angesetzt werden, bevor allzu rasch medikamentös die Gehirnchemie verändert wird.

 

Diese Aufgabe gehört ohnehin dann eher in die Hände erfahrender Psychiater, Psychotherapeuten und Neurologen.

     

Altbekannt aber ebenfalls gut wirksam sind auch Koffein und Guarana. Koffein führt ebenfalls zu einer Erhöhung der Neurotransmitter Noradrenalin, Dopamin und Serotonin, erhöht Motivation sowie Konzentration- und Gedächtnisleistung.

 

Mehr dazu unter Natürliche Stoffe.